Bau-Chronik

 

von Alexander Busch-Nowak, Crailsheim

 

Die Baureihe 62 der Deutschen Reichsbahn war mir als Süddeutschem bis nach der Wende überhaupt nicht im Bewusstsein. Nur durch den Einsatz der Dresdener Traditionslok 62 015 im Nostalgie-Programm der DB AG in den Neunzigern und einem entsprechenden Bericht mit schönen Bildern in der Zeitschrift Modelleisenbahner, wurde ich auf diese Einheitslokbaureihe aufmerksam.

Die Idee zum Bau der 62er reifte im Januar 2008. Langsam wurde es auch Zeit, sich auf den Weg zu machen, seinen Jugendtraum, eine eigene 5 Zoll-Dampflok sein Eigen zu nennen, in die Tat umzusetzen. Mit der Genehmigung meiner besseren Hälfte (sie konnte das Ausmaß der ganzen Angelegenheit glücklicher Weise auch nicht abschätzen) nahm ich im März 2008 Kontakt mit dem Vorstand der IG Bw Dresden-Altstadt auf und konnte im Bw Tübingen die Kopien der Bauartbeschreibung abholen.

Die Überlassung der Kopien war mit der Bitte verbunden, die fertige Lok dann in zwei Jahren beim Dresdner Dampfloktreffen zu präsentieren. Dass dieser Zeitplan nicht zu halten war, war mir damals schon klar. Aber wenn sie dann einmal fertig ist, wird sie sicherlich neben ihrem großen Vorbild zu sehen sein - natürlich unter Dampf!

 

 

2008

 

Besichtigung der Original-Lok im Bw Dresden-Altstadt. Fotografieren, Messen und alles im Skizzenheft festhalten.

 

 Vom Vorstand der IG Bw Dresden-Altstadt erhielt ich die Kopien der Originalzeichnungen als Konstruktionsvorlage.

 

Konstruktion der Einzelteile am PC mit dem Zeichenprogramm Solid Edge free 2D.

 

Alle Einzelteile eines Hülsenpuffers.

Preis und Bauweise der angebotenen Puffer gefielen mir nicht.

So entstand die erste Eigenkonstruktion.

 

Reichsbahnlaternen der Firma Knupfer.

Verschiedene Elemente wurden verändert

und dabei die Laternen auch mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet.

 

 Haa, wenn man mit einer voll funktionsfähigen Laterne spielen kann,

dann gehört sie halt auch zu den ersten Bauteilen einer 5 Zoll Dampflok.

 

 

2009

  

 Aus einem großen Abfallstück wurde die Rauchkammer aus dem Vollen gedreht.

Mit allen Kleinteilen bestückt, ist das wichtigste Element des Gesichts der 62 015 fertig.

 

 Der dreiteilige Schlot ist von seinen Außenmaßen maßstabsgetreu gefertigt.

Die Teile sind mit M 1,4 Schrauben miteinander verbunden.

 

Die fertigen Träger für die Haupt- und Bremsluftbehälter.

Die runden Behälteraufnahmen sind aus gedrehten Profilringen entstanden.

 

 Die Hängeeisen für die Bremsklötze

sind aus einem wasserstrahlgeschnittenen Blechteil

und jeweils zwei gedrehten Augen gefertigt, die miteinander hart verlötet wurden.

 

 Die vormontierte hintere Pufferbohle.

 

 Zur Darstellung des Baufortschritts auf der MoBa 2010 wurden alle vorhanden Bauteile miteinander verschraubt.

 

 

2010

 

Blick auf das komplette Bremsgestänge.

Es besitzt alle Ausgleichshebel wie das große Vorbild.

Das ist die faszinierende Anwendung der Hebelgesetzte.

 

Ein Schutzblech für die Vorlaufräder.

Es besteht aus drei, auf einer kleinen CNC-Fräse gefertigten, 0,5 mm Messingblechen,

die weich miteinander verlötet sind.

 

Die fertige Bremswelle mit den beiden Rahmenlagern, direkt nach der Lackierung.

 

Einer der vier Schwanenhälse für die Achslagerfederung der Drehgestelle nach der Lackierung.

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die beiden Wangen nochmals in ihrer Form korrigiert werden müssen.

 

Einer der beiden Drehgestellrahmen nimmt seine endgültige Form an.

Der Weg für die seitliche Verschwenkung ist deutlich größer als beim Original

– die kleinen Streckenradien machen dies notwendig.

Mittels eines Holzmodells und eines Kurvengleises mit 7,5 m Radius wurden die notwendigen Werte ermittelt.

 

Bei der MoBa 2011 stellte sich dann der Baufortschritt schon ganz anders dar.

Die meisten Rahmenteile waren schon endgültig montiert und entsprechend lackiert.

 

 

 2011

 

 Lust auf winzige Ölgefäße.

Ob sie wirklich zum Schmieren der diversen Gleitflächen beitragen können, muss sich noch zeigen.

Hoffentlich klappt`s!

 

 Windleitbleche mit Randeinfassung – die Ohren müssen natürlich möglichst perfekt aussehen.

Sie sind klappbar, wie die des Originals auch.

 

Die ersten Blechteile des Tenderkastens sind miteinander verlötet.

Die Kohlenrutsche ist deutlich zu erkennen.

In diesem Zustand kann man auch noch die beiden Schwallbleche und die Saugleitungen erkennen.

 

Die überarbeiteten Notwasserdeckel der Firma Knupfer.

Sie können nun wasserdicht verschlossen werden und sind damit auch einsatzfähig.

 

Der Werkzeugkasten am Tenderende dient später zur Aufnahme des LiPo-Akkus

und des Umschalters für die Wahl der Stromversorgung - Akku oder Lichtmaschine.

 

 

 Zur MoBa 2012 lassen sich die Dimensionen der Lok bezüglich Breite und Höhe klar erkennen.

Die Anzahl der Nieten stimmt natürlich – fast 900 Stück zieren den Wasserkasten.

Das Original fast 14 Kubikmeter Wasser – das Modell maßstabsgerecht knapp über 10 Liter.

 

 

2012

 

 Beim Bau der Lok geht es nach Lust und Laune.

Darum entstanden zum damaligen Zeitpunkt die Deckel der Bremszylinder.

 

Jetzt reizte mich Fertigung der Umlaufbleche, damit die Breite der Lok durchgängig bewusst wird.

Außerdem sollte dann das Gesicht der Lok vollendet werden.

Dass die originale Durchmischung von Reiskorn- und Rauteblechen

sich auch Modell wieder finden wird, ist klar! Oder?!

 

 

Es sind die Kleinigkeiten die Freude bereiten.

Der Zughaken mit seiner Führung ist eine solche Kleinigkeit.

Auf den Tag, an dem die komplette Kupplung ordentlich eingehängt die Mitte der Pufferbohle ziert,

freue ich mich jedes Mal, wenn ich den Zughaken ansehe.

 

Die fast fertige Rauchkammer ist ein wichtiger Meilenstein des Lokbaus.

Die obere Rauchkammernische lässt sich entfernen,

sodass eine eventuell eingebaute Überhitzereinheit

mit dem Dampfsammelkasten als Ganzes herausgezogen werden kann.

 

Im Gegensatz zum Original ist der Steuerbock mit Steuerrad auf einem separaten Träger montiert

und nicht am Stehkessel, damit die Längenausdehnung des Kessels sich nicht auf die Steuerung auswirkt.

Jetzt brauch ich noch eine passende Gewindestange / Mutter mit größerer Steigung (bisher M 6).

 

Bei der MoBa 2013 zeigt sich die 62er schon für jeden erkennbar als Dampflok.

Im fertigen Gesicht der Lok fehlt nur noch das Nummernschild,

das sie dann eindeutig als die Dresdener Museumsmaschine kennzeichnet.

 

 

2013

 

 Blick auf den Wasserentnahmekasten am Tenderboden auf der Heizerseite.

Hiersieht man die Enden der Saugleitungen (Injektor und Speisepumpe).

Hier sind auch die Filterelemente eingesetzt.

 

Beim Löten des komplexer werdenden Kohlen- und Wasserkastens wurde deutlich,

dass die Lötflächen vergrößert werden müssen, um eventuelle Spannungen auszuhalten.

6 Meter Messingwinkel wurden dazu eingepasst, verschraubt und verlötet.

 

Die Wasserprobe zeigte die Leckagen auf, die entsprechend nachgelötet wurden.

 

 Nach dem Sandstrahlen und Lackieren zeigt sich der Kohlen- und Wasserkasten

mit dem typischen Charakter des unverkennbaren 62er Aufbaus.

 

 Dieser Test muss einfach sein!

Wie viel Kohle fasst der Kasten? Im Original 4,8 Tonnen und im Modell sollen es 3,5 Kilogramm sein.

3 Kilo Anthrazit liegen hier im Kasten. Die Führerhaustüren sind auch moniert.

 

 Auf der MoBa 2014 war das Ergebnis der bisherigen Arbeit, nun auch mit Nummernschild, zu sehen.

Mal sehen, ob ich im kommenden Jahr endlich das Triebwerk in Angriff nehme.

 

 

2014 

 

In diesem Jahr war meine ganze Arbeitskraft bezüglich Konstruktion und Fertigung an diese Lok gebunden.

Unsere Vereinslok "Jagstzell",

von unserem leider verstorbenen ehemaligen Vorstand Holger Haußmann gebaut,

benötigte eine Generalrevision.

Fast alle Rahmenanbauten, Kolben und Zylinder und die gesamte Verrohrung

mussten überarbeitet bzw. erneuert werden.

 

 

2015

 

62 015 von vorne rechts - 5 Zoll-Modell nach 5 Jahren Bauzeit

 

So stand sie nun das ganze Jahr 2014 ohne jeglichen Baufortschritt in der Werkstatt!

Erst zur Mitte des Jahres 2015 ging es mit einem kleinen, aber feinen Schmankerl weiter.

 

Die fast fertige Kupplung wurde erstmals zur vergnüglichen Betrachtung am Zughaken montiert.

 

Ja so muss es sein! Ordentlich aufgeräumt.

 

 

2016

 

Leider keinerlei Fortschritt! cry

 

 

2017

 

Durch den Bau der Kö 0186 mit meinen Zehntklässlern

 

und der damit verbundenen Notwendigkeit,

passende Speichenräder zu fertigen,

die den 850 mm Vorlaufrädern der Dampfloks entsprechen,

ergab sich auch der Bau der Radmodelle für meine 62er.

 

In einem Guss war das leider nicht möglich,

weil die normalen Vorlaufräder 9 Speichen haben

- und die der 62er 7 Speichen!

 

 So entstanden also die beiden Modellhälften der 7-speichigen Räder für die beiden Drehgestelle.

Zuerst wurde die X-Y-Kontur der Speichen gefräst

und anschließend die Z-Kontur auf der Drehbank hergestellt.

 

Die ellipsoide Kontur der Speichen war dann reine Handarbeit!

 

Weil geplant war, dass die Studenten der FH-Aalen die Räder gießen

und dabei eine gewisse Menge Stahl geschmolzen werden muss,

war die Menge der benötigten Gussteile - min. 4 neunspeichige Räder für die Kö

und min. 8 siebenspeichige Räder für die 62er - zu wenig.

Also stellte ich nun auch noch die Modelle für die Treib- und Kuppelräder her.

 

Beim obigen Bild kann man auch erkennen,

dass die Modelle dieser Räder aus sechs Teilen bestehen.

 

Auch hier war für die letzte Formgebung wieder Handarbeit angesagt.

 

Zum Glätten der Konturen kam dann noch die feine Schmirgelleine zum Einsatz.

 

So sehen sie nun aus, die drei fertigen Radmodelle.

Das mit dem Gießen an der FH hat dann leider nicht so geklappt, wie ich mir das erhofft hatte.

Ja, da werde ich mal bei der Gießerei Funk in Aalen anfragen,

ob die mir die Räder gießen können.

Wahrscheinlich schon - aber der Preis wird mich vermutlich umhauen.

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